Photometrisch oder Radar? Welche Launch-Monitor-Technologie ist für Indoor Golf besser?

Photometrisch oder Radar? Welche Launch-Monitor-Technologie ist für Indoor Golf besser?

Wer einen Golf Launch Monitor oder Golfsimulator kaufen möchte, stößt sehr schnell auf zwei unterschiedliche Technologien: photometrische Kamerasysteme und Doppler-Radar-Systeme.

Beide Technologien können heute extrem präzise Daten liefern. Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede – vor allem dann, wenn der Launch Monitor indoor in einem Golfsimulator eingesetzt werden soll.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht unbedingt:

Welche Technologie ist grundsätzlich genauer?

Sondern vielmehr:

Welche Technologie funktioniert für meinen Einsatzzweck und in meinem Raum am besten?

Genau das sehen wir uns hier etwas genauer an.

Was ist ein photometrischer Launch Monitor?

Ein photometrischer Launch Monitor arbeitet hauptsächlich mit Hochgeschwindigkeitskameras.

Diese Kameras beobachten den Golfball unmittelbar vor, während und nach dem Treffmoment. Innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters entstehen zahlreiche Bilder, aus denen das System unter anderem Ballgeschwindigkeit, Launch Angle, Launch Direction, Spin Rate und Spin Axis bestimmen kann. Je nach Gerät werden zusätzlich umfangreiche Schlägerdaten erfasst.

Der große Unterschied zu klassischen Radar-Systemen besteht darin, dass der Ball nicht über mehrere Meter verfolgt werden muss.

Die entscheidenden Informationen werden direkt rund um den Treffmoment aufgenommen.

Genau deshalb sind kamerabasierte Systeme für Indoor-Golfsimulatoren besonders interessant.

Ein typisches Beispiel: Uneekor

Uneekor setzt bei seinen Launch Monitoren stark auf Hochgeschwindigkeitskameras und Infrarot-Technologie.

Bei Systemen wie dem Uneekor EYE MINI, EYE XO oder EYE XO2 wird die Bewegung des Balls unmittelbar nach dem Treffmoment optisch analysiert. Technologien wie Dimple Optix nutzen dabei die sichtbare Rotation beziehungsweise die Struktur des Golfballs zur Ermittlung der Spin-Daten.

Ein weiterer Vorteil:

Einige dieser Systeme können auch den Treffmoment beziehungsweise die Bewegung des Schlägers visuell darstellen.

Damit bekommt der Spieler nicht nur Zahlen angezeigt, sondern kann teilweise tatsächlich sehen, was beim Impact passiert ist.

Warum funktioniert Kameratechnologie Indoor so gut?

In einem Golfsimulator gibt es einen entscheidenden Unterschied zur Driving Range:

Der Golfball fliegt vielleicht nur zwei bis vier Meter, bevor er in die Leinwand einschlägt.

Für ein kamerabasiertes System ist das grundsätzlich kein Problem.

Die wichtigsten Daten werden bereits unmittelbar nach dem Treffmoment erfasst. Es ist daher nicht notwendig, dass der Ball noch 50, 100 oder 200 Meter weiterfliegt.

Das bringt bei einem Indoor-Golfsimulator mehrere Vorteile.

Weniger benötigte Raumtiefe

Ein kamerabasierter Launch Monitor benötigt normalerweise keinen langen Ballflug.

Gerade bei:

  • Garagen
  • Kellerräumen
  • Hobbyräumen
  • Hotels
  • Indoor-Golf-Centern
  • privaten Golfräumen

kann das ein erheblicher Vorteil sein.

Besonders Overhead-Systeme werden direkt an der Decke montiert und benötigen hinter dem Spieler keinen zusätzlichen Platz für ein Gerät.

Was ist ein Doppler-Radar Launch Monitor?

Radar-Systeme verfolgen einen völlig anderen Ansatz.

Ein Doppler-Radar sendet elektromagnetische Signale aus und analysiert deren Veränderung, nachdem sie vom bewegten Golfball reflektiert werden.

Dadurch kann das System unter anderem Geschwindigkeit und Flugbahn des Balls bestimmen. Hochwertige Radar-Systeme können den Ball im Outdoor-Betrieb über einen großen Teil beziehungsweise den gesamten Ballflug verfolgen.

Und genau dort liegt eine der größten Stärken von Radar.

Radar ist Outdoor extrem stark

Auf einer Driving Range steht ausreichend Platz zur Verfügung.

Der Ball fliegt tatsächlich 100, 150 oder 250 Meter und ein Radar-System kann diesen Flug über einen langen Zeitraum beobachten.

Das ist ein grundsätzlich anderes Szenario als bei einem Indoor-Golfsimulator, bei dem der Ball bereits nach wenigen Metern in die Leinwand einschlägt.

TrackMan 4 kombiniert beispielsweise Dual-Doppler-Radar mit Kameratechnologie und ist darauf ausgelegt, den Ball auch über seinen vollständigen Flug zu verfolgen.

Für Spieler, die einen Launch Monitor sowohl auf der Driving Range als auch Indoor verwenden möchten, kann ein solches Konzept daher besonders interessant sein.

Bedeutet das, dass Radar Indoor ungenau ist?

Nein.

Diese Aussage wäre heute viel zu pauschal.

Früher konnte man die beiden Welten relativ einfach voneinander trennen:

Kamera = Indoor

Radar = Outdoor

So einfach ist es inzwischen nicht mehr.

Moderne Hersteller kombinieren zunehmend verschiedene Sensor-Technologien.

Ein gutes Beispiel dafür ist TrackMan iO.

Das speziell für Indoor Golf entwickelte System kombiniert Radar mit einem dualen Kamerasystem und Hochgeschwindigkeitsbildgebung. Dabei wird unter anderem der 3D-Spin direkt gemessen. Das System ist an der Decke montiert und benötigt keine klassische lange Ballflugdistanz.

Damit verschwimmt die klassische Grenze zwischen „Radar-System“ und „Kamera-System“ zunehmend.

Photometrisch vs. Radar: Der wichtigste Unterschied

Vereinfacht kann man die beiden Technologien so betrachten:

Photometrische Systeme Radar-Systeme
Beobachten Ball und teilweise Schläger mit Hochgeschwindigkeitskameras Verfolgen Bewegungen mit Radar
Sehr gut für kurze Indoor-Ballflüge geeignet Besonders stark bei langem Ballflug
Häufig als Overhead-System verfügbar Klassisch häufig hinter dem Spieler positioniert
Spin kann unmittelbar nach Impact optisch bestimmt werden Ballflug kann über längere Distanz verfolgt werden
Sehr gut für fixe Simulator-Installationen Häufig interessant für Indoor- und Outdoor-Nutzung
Geringe benötigte Ballflugdistanz Klassische Radar-Systeme profitieren von mehr Flugdistanz

Wichtig ist allerdings: Moderne Premium-Systeme lassen sich nicht mehr immer eindeutig einer einzigen Kategorie zuordnen.

TrackMan kombiniert beispielsweise Radar und Kamera, während Hersteller wie Uneekor sehr stark auf photometrische Hochgeschwindigkeitssysteme setzen.

Welche Technologie ist für einen Indoor-Golfsimulator besser?

Wenn es ausschließlich um einen fest installierten Indoor-Golfsimulator geht, haben photometrische beziehungsweise kamerabasierte Systeme einige sehr praktische Vorteile.

Sie benötigen wenig Ballflug, können direkt über oder neben der Hitting Area montiert werden und liefern die relevanten Daten unmittelbar rund um den Treffmoment.

Gerade in normalen privaten Räumen ist das ein entscheidender Punkt.

Ein Raum ist schließlich selten 10 oder 15 Meter lang.

Bei einem guten kamerabasierten System spielt das kaum eine Rolle.

Der Ball muss lediglich ausreichend Platz haben, um nach dem Treffmoment vom System erfasst zu werden, bevor er auf die Impact Screen trifft.

Ein weiterer Vorteil: freie Spielfläche

Besonders interessant sind Overhead Launch Monitore.

Systeme wie:

  • Uneekor EYE XO
  • Uneekor EYE XO2
  • Uneekor EYE XR
  • ProTee VX

werden im beziehungsweise über dem Schlagbereich montiert.

Dadurch steht kein Gerät hinter oder neben dem Spieler auf dem Boden.

Das ist nicht nur optisch sauberer, sondern gerade bei einem Golfsimulator, der von mehreren Personen verwendet wird, sehr praktisch.

Bei entsprechend großer Hitting Area können Rechts- und Linkshänder spielen, ohne dass der Launch Monitor jedes Mal neu positioniert werden muss.

Wann ist Radar die bessere Wahl?

Radar bleibt eine hervorragende Technologie.

Besonders sinnvoll kann ein mobiles Radar-System sein, wenn der Launch Monitor regelmäßig Outdoor auf der Driving Range verwendet werden soll.

Wer beispielsweise im Winter Indoor trainiert, das Gerät im Sommer aber auf die Range oder den Golfplatz mitnehmen möchte, kann von einem mobilen Radar-System profitieren.

Gerade dort kann Radar seine große Stärke ausspielen:

den tatsächlichen Ball über einen wesentlich längeren Flugweg zu verfolgen.

Und was ist mit Spin?

Spin ist einer der wichtigsten Parameter eines Launch Monitors.

Dabei geht es nicht nur um die reine Spin Rate.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Spin Rate
  • Spin Axis
  • Launch Direction
  • Launch Angle
  • Ball Speed

Aus diesen Daten entsteht letztlich die virtuelle Flugbahn des Golfballs.

Photometrische Systeme können die Rotation des Balls direkt über Hochgeschwindigkeitsaufnahmen analysieren. Uneekor nutzt beispielsweise bei seiner Dimple-Optix-Technologie die Balloberfläche beziehungsweise die Dimples zur Bestimmung der Rotation.

Aber auch moderne Hybrid-Systeme können Spin direkt erfassen. Systeme wie TrackMan iO kombinieren dafür Hochgeschwindigkeitskameras und Radar.

Deshalb sollte man beim Kauf nicht nur fragen:

„Radar oder Kamera?“

Viel wichtiger ist:

Welche Parameter werden tatsächlich gemessen, welche werden berechnet und unter welchen Bedingungen funktioniert das System optimal?

Welcher Launch Monitor passt zu mir?

Die Antwort hängt hauptsächlich vom geplanten Einsatz ab.

Fixer Golfsimulator zu Hause

Hier würden wir in vielen Fällen zu einem photometrischen beziehungsweise overhead montierten System tendieren.

Der geringe Platzbedarf und die zuverlässige Erfassung bei kurzer Ballflugdistanz sind klare Vorteile.

Indoor Golf Center

Auch hier sind Overhead-Systeme besonders interessant.

Die Geräte befinden sich außerhalb des unmittelbaren Spielbereichs und müssen normalerweise nicht nach jedem Spieler neu ausgerichtet werden.

Teaching und Clubfitting

Hier hängt die Entscheidung stärker von den benötigten Daten und dem gewünschten Software-System ab.

Kamera-, Radar- und Hybrid-Systeme können alle interessante Lösungen darstellen.

Hauptsächlich Driving Range

Hier bleibt ein mobiles Radar-System eine sehr interessante Option.

Der lange reale Ballflug bietet Radar optimale Bedingungen.

Indoor und Outdoor mit einem Gerät

Hier sollte man gezielt Systeme betrachten, die für beide Anwendungsfälle entwickelt wurden.

TrackMan 4 ist beispielsweise genau auf diese Kombination ausgelegt und kombiniert Radar mit optischer Unterstützung.

Unser Fazit: Nicht die Technologie alleine entscheidet

Die Diskussion Photometrisch vs. Doppler-Radar wird häufig so geführt, als müsste eine Technologie grundsätzlich besser sein als die andere.

In der Praxis ist das nicht ganz so einfach.

Radar ist hervorragend darin, einen Golfball über einen langen Flugweg zu verfolgen.

Photometrische Hochgeschwindigkeitssysteme können dagegen unmittelbar rund um den Treffmoment extrem viele Informationen erfassen und benötigen dafür nur sehr wenig Ballflug.

Und moderne Premium-Systeme kombinieren teilweise bereits beide Technologien miteinander.

Für einen klassischen Indoor-Golfsimulator sind kamerabasierte beziehungsweise photometrische Systeme deshalb in vielen Fällen die praktischste Lösung.

Gerade Systeme von Uneekor haben sich konsequent auf diesen Bereich spezialisiert und bieten vom mobilen Launch Monitor bis zum fest montierten Overhead-System unterschiedliche Lösungen. Protee bietet hier im mittleren Preis segment aber eine Alternative an die man sich auch ansehen sollte.

Wer dagegen maximale Flexibilität zwischen Driving Range und Indoor Golf sucht, sollte Radar- beziehungsweise Hybrid-Systeme ebenfalls in die Auswahl einbeziehen.

Am Ende sollte deshalb nicht die Frage lauten:

„Welche Technologie ist besser?“

Sondern:

Welche Technologie passt am besten zu meinem Raum und zu der Art, wie ich Golf spielen und trainieren möchte?